Warum Kunst und Wissenschaft verbinden?

BioArt, SciArt, Digital Art,
Kunst und Naturwissenschaften
nähern sich an

Naturwissenschaft und Kunst scheinen auf den ersten Blick zwei getrennte Disziplinen zu sein, die nicht viel gemeinsam haben. Dabei waren sie früher und werden heute wieder stärker miteinander verknüpft. Leonardo da Vinci war sowohl für sein künstlerisches als auch für sein naturwissenschaftliches Schaffen berühmt und damals als Universalgelehrter kein Einzelfall. Noch bis zur Romantik bezeichnet das Wort Kunst alles, was aus einem kreativen Prozess entsteht und somit auch wissenschaftliche Techniken. Seit der Romantik hat sich der Begriff der »Schönen Künste« etabliert, um die Werke in der Literatur, der Musik und den bildenden Künsten zu bezeichnen und sie von den Natur- und Ingenieurwissenschaften abzuheben. Da, wo der Wissenschaftler versucht, die Welt objektiv zu beschreiben und zu erklären, will sie der Künstler aus seiner subjektiven Erfahrung heraus nachbilden, in Frage stellen, neu schaffen. Im Blick auf die wachsende Spezialisierung und Ausdifferenzierung der sog. exakten Wissenschaften und die Entwicklung eigener Methoden in den Geistes- und Kulturwissenschaften, sprach der Autor und Physiker C.P. Snow 1959 schließlich recht desillusioniert von den »zwei Kulturen«, die ein ganzer »Ozean« trenne.

Doch seit den letzten 20 Jahren nähern sich die Disziplinen wieder einander an: In der »künstlerischen Forschung« soll zum Beispiel ein wissenschaftsähnlicher, methodisch geleiteter Rechercheprozess im Mittelpunkt stehen. Und in den Naturwissenschaften wiederum wächst das Bewusstsein dafür, dass die Ergebnisse dieser Disziplin auch Gegenstand von gesellschaftlichen Diskursen und künstlerischen Deutungen sein können und öffnen sich den Fragen der Künstlerinnen und Künstler – weil sie auch selbst von diesem Austausch profitieren können.

installation "sensory neural network" und Performance "brain writes sounds

Immer intensiver beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler mit den Reibungsflächen zwischen Technowissenschaften und Gesellschaft. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, zwischen Mensch und Umwelt oder zwischen dem Menschen und seinem eigenen Körper werden derzeit neu ausgelotet: In der BioArt trifft das biologische Experiment auf Ästhetik und gesellschaftliche Fragen nach dem, was wir herstellen können wollen. Digitale Künstlerinnen und Künstler lassen sich von den Erkenntnissen der Informatik und den Naturwissenschaften inspirieren, sowohl in ihren Darstellungsformen als auch in ihren Themen wie dem Umgang mit Medien, Datenschutz und Mensch/Maschine-Entgrenzungen.

Die Idee von Nexus Experiments

An diesem Schnittpunkt entwerfen wir Veranstaltungen – unsere Experimente –, die Kunst und Technowissenschaften in ein produktives Spannungsverhältnis bringen, um gesellschaftlich und ethisch relevante Themen der Forschung mit einem breiten Publikum zu diskutieren. Denn Informations- und Wissensgesellschaften erwarten von wissenschaftlichen Einrichtungen zu Recht, dass Forschungsergebnisse unterschiedlichen Anspruchsgruppen zugänglich gemacht und öffentlich diskutiert werden. Wir wollen diesen bidirektionalen Transfer von Wissen stärken. Daher verfolgen wir mit unserer Initiative einen besonderen Ansatz der Wissenschaftsvermittlung und der ethischen Reflexion: Wir entwickeln partizipative Formate in enger Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern, weil wir davon ausgehen, dass Kunst einen Raum für intensive, wechselseitig inspirierende, kritische und neugierige Interaktionen zwischen Wissenschaftlern und der Gesellschaft eröffnen kann. Wir verstehen unsere Veranstaltungen und Projekte als kreative Spielwiese und gemeinsame Plattform für Wissenschaftler, Künstler und Öffentlichkeit mit explizit experimentellem Charakter. Dies ermöglicht offene Diskussionen zwischen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit über die ethischen und gesellschaftlich relevanten Aspekte aktueller Forschung.

Zum Weiterlesen:

 

www.pol.gu.se/digitalAssets/1322/1322713_the_debate_on_research_in_the_arts.pdf
Henk Borgdorf fasst die Debatte zur künstlerischen Forschung zusammen.

https://www.aec.at/artandscience/de/
Das European Digital Art and Science Network hat in diesem Compedium einige Stimmen zu Thema Medienkunst und Naturwissenschaft zusammengtragen.  

http://creative.arte.tv/de/bioart-kunst-aus-dem-labor
Dieser Fernseh-Beitrag stellte einige bekannte BioArt-Künstler vor. 

Weltweit gibt es einige Institutionen, die sich wie wir an der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaften und Kunst bewegen, von denen wir hier einige auflisten wollen:

https://dublin.sciencegallery.com
Ein Science Center und Teil des Trinity Colleges, Dublin mit internationalen Ablegern.

http://bio-fiction.com/2014/
Ein Film-Festival zum Thema BioArt

www.sciartcenter.org
Diese Science Center in New York veröffentlicht auch das SciArt Magazin.

www.aec.at/futurelab/
Im Futurelab der Ars Electronica werden Schnittstellen zu Naturwissenschaften und Kunst entwickelt.

 

 

 

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