Marc C. Woehr und Joschka Bödecker

Das Banner an der UB Freiburg hängt vom 30.7.2019 bis 31.10.2019 und wurde vom Künstler Marc C. Woehr in Zusammenarbeit mit dem Informatiker Joschka Bödecker entworfen.

 

N 47.994283 E 7.844947
Kunstdruck auf Netzplane

von Marc C. Woehr


Schwarz, Weiß und die Grauzone dazwischen: Der Mensch wird zunehmend von Technik unterstützt, ja, er verschmilzt sogar mit ihr. Der Stuttgarter Künstler Marc C. Woehr ließ sich für dieses Bild von der Forschung des Informatikers Juniorprofessor Dr. Joschka Bödecker an selbstlernenden Künstliche-Intelligenz-Systemen inspirieren. Diese sollen es in Zukunft ermöglichen, epileptische Anfälle im Gehirn von Patientinnen und Patienten frühzeitig zu erkennen und mit elektrischen Impulsen gegenzusteuern. Im Austausch mit Bödecker entwickelte Woehr das Werk mit dem Titel "N 47.994283 E 7.844947“, das auch den Grundriss seines Ausstellungsortes, der Universitätsbibliothek der Universität Freiburg, grafisch aufnimmt. Jede Schicht filtert andere Informationen und lässt andere Farben erscheinen. Im Zentrum stehen die Gehirndaten – das Signal – wie ein Taktgeber im Gehirn. Die farbigen Ebenen des Werkes spiegeln die tief im Gehirn verankerten kleinen, roboterartigen Elektroden wider, welche Impulse messen und Alarm schlagen, sollte sich ein epileptischer Anfall ankündigen. Die Herausforderungen, vor der die Forschung steht, ist auch in der Formsprache der Elemente verarbeitet, die kantig und eckig erscheinen und die Windungen und Tiefen im Gehirn darstellen, die eine Neurochirurgin oder ein Neurochirurg bedenken muss, um die Elektroden an der richtigen Stelle zu platzieren.

 

Mehr Informationen zu Marc C. Woehr: www.marcwoehr.de/

Mehr Informationen zu Joschka Bödecker: https://nr.informatik.uni-freiburg.de/people/joschka-boedecker

Marc C. Woehr

Der Stuttgarter Künstler Marc C. Woehr begann seine ästhetische Produktion vor mehr als zwanzig Jahren auf der Straße. Wie jeder Street Art Künstler begann er mit einfachen Schriftzügen, dann folgten große, sich über mehrere Meter erstreckende Bilder. Irgendwann merkte er, dass ihm das hektische (weil verbotene) Arbeiten bei Nacht im Außenraum nicht mehr ausreichte. Er wollte stärker kompositorisch arbeiten und beschloss kurzerhand, ein Atelier zu beziehen und die rauen Außenmauern gegen klassische Leinwände einzutauschen. Doch die Straße als kleinste Einheit, die Architektur und die Stadt als große Struktur, als Matrix haben ihn seit seinen Anfängen nicht mehr losgelassen. Er hat sie durchdrungen und in alle Richtungen untersucht.

Wirklich gute zeitgenössische Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass sie einerseits die Traditionen der Kunst kennt und deren Errungenschaften analysiert und andererseits diese Errungenschaften in die zeitgenössische Praxis und den aktuellen Blick auf die Welt überführt. Mit seinen Arbeiten, vor allem mit den seit 2013 entstehenden Holzreliefs, orientiert sich Marc C. Woehr immer wieder an diesem Zweiklang. Sieht man sich seine hauptsächlich in Weiß, Schwarz, Grau, Rot und Orange gehaltenen abstrakten Arbeiten an, wird man unweigerlich an die Hauptvertreter der Russischen Avantgarde (besonders Kazimir Malevich und El Lissitzky) erinnert. Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen den Arbeiten dieser Künstler und denen Marc C. Woehrs sind nicht nur auf der Ebene der formalen Umsetzung, also in Bezug auf Formen und Farben zu beobachten, sondern auch auf der inhaltlichen Ebene. Neue Raumkonstruktionen zu entwerfen, bedeutet sowohl für die Avantgardisten als auch für Woehr neue Realitäten zu kreieren, die Stadt als Zukunftsvision zu entwerfen. Marc C. Woehr liegt es fern, Abbilder existierender Städte zu schaffen. Für ihn ist ein konkreter Ort nur ein Anlass, um mit der Architektur einer Stadt, ihrer Struktur und Dynamik zu spielen und vielschichtige Gebilde zu entwerfen, die dem Betrachter viel gedanklichen Raum für eigene Interpretationen lassen.

An »Stadtwandforschung« reizt Woehr vor allem die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Wie werden wir und unsere Kinder leben? Wie kann Kunst uns schon heute helfen, diese Zukunft zu begreifen?

Juniorprofessor Dr. Joschka Bödecker

Joschka Bödecker studierte Computervisualistik an der Universität Koblenz-Landau und Künstliche Intelligenz an der University of Georgia in den USA. Zur Promotion ging er nach Japan und arbeitete im Emergent Robotics Lab von Prof. Dr. Minoru Asada an der Osaka University an fußballspielenden Robotern im RoboCup, sowie an der Optimierung und Analyse von künstlichen neuronalen Netzen und deren Anwendung in der Robotik. Im Anschluss an die Promotion und Postdoc-Zeit in Japan, kam er 2013 nach Deutschland zurück, um im Machine Learning Lab von Prof. Dr. Martin Riedmiller an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu arbeiten. Seit Mai 2017 ist er dort Juniorprofessor für Neurorobotik und Mitglied des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools.

 

Neurotechnologie und Neurorobotik

Wie können medizinische Produkte von intelligenter Software profitieren? Joschka Bödecker forscht insbesondere an der Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer und wie Gehirn-Wellen anhand von lernenden Algorithmen effizienter und schneller ausgelesen werden können. Mit der Hilfe  dieser Weiterentwicklungen können zum Beispiel Therapien bei Schlaganfall, Epilepsie oder Parkinson verfeinert werden. Für stark gelähmte Menschen könnten diese Forschungsvorhaben wie etwa das Projekt Neurobots auch eine Möglichkeit aufzeigen, mit der sie in Zukunft Roboter mit Gedankenkraft bedienen oder auf einem Computer schreiben können.

01   Wand 3: Marc C. Woehr mit Joschka Bödecker