30 — 07 — 18   Foto: Shelly Levy-Tzedek
Robotern vertrauen: Wie können Roboter zu guten Partnern in der Pflege oder Rehabilitation werden?

Wie können Roboter zu guten Partnern in der Pflege oder Rehabilitation werden?
Patienten müssen zu den Maschinen Vertrauen aufbauen, schließt ein Forscherteam aus Deutschland und Israel. Die Philosophen, Ingenieure und Mediziner veröffentlichten ihre Folgerungen in der Zeitschrift Science Robotics.

Sogenannte SAR socially assitive robots sollen in der Zukunft insbesondere in der Pflege und Rehabilitation von Patientinnen und Patienten eingesetzt werden – in Anbetracht einer älterwerdenden Bevölkerung und mangelnden Pflegekräften könnten diese sozialen Roboter das Gesundheitssystem entlasten. Wenige dieser Maschinen sind jetzt schon kommerziell erhältlich wie der Robbenroboter Paro.

Einige der Produkte von großen Technologie-Firmen befinden sich aber schon in der Testphase: Die Pflegeroboter sollen dann vielseitige Aufgaben übernehmen, die auch soziale Interaktionen mit Patienten benötigen, wie das Aufheben und Bringen von Objekten, die Unterstützung von erschwerten Bewegungsabläufen oder sogar das Baden von Patienten. Doch damit die Geräte wirklich zu Pflege und Rehabilitation beitragen, müssen sie von den Patienten – den Nutzern – akzeptiert werden. Dr. Philipp Kellmeyer und Prof. Dr. Oliver Müller der Universität Freiburg haben in Zusammenarbeit mit Dr. Ronit Feingold-Polak und Dr. Shelly Levy-Tzedek von der Ben-Gurion University des Negev, Israel nun analysiert, welche Vorraussetzungen die Programmierung eines Roboters mitbringen soll, damit Patienten einer Maschine ihre Gesundheit anvertrauen.

Die Frage, wie Menschen einem Pflege-Roboter vertrauen können, hat viele Aspekte. Dabei sollte der Roboter sowohl auf Sicherheit programmiert sein, den Patienten aber motivieren können. Patienten müssen zur Rehabilitation oft repetitive Aufgaben erfüllen und Roboter sollten hier unterstützen und motivieren.

Die Autoren sind überzeugt: Patienten müssen die «Absicht» eines Roboters voraussehen und verstehen können, um ihm zu vertrauen. Dabei haben Roboter im eigentlichen Sinne keine Absichten. Daher stellt sich philosophisch und ethisch die Frage, ob einem Roboter eine Absicht zugeschrieben werden kann oder simuliert werden soll, nur damit ein Mensch besser mit der Maschine zusammenwirken kann. In der Philosophie und Psychologie zeigt die Forschung der letzten Jahre nämlich, dass diese gemeinsame Absicht «shared intentionality» eine Grundvorrausetzung für erfolgreiche Zusammenarbeit darstellt.

Außerdem sollte sich der Roboter für die Ausführung von Bewegungsübungen auf den Menschen einspielen können, um den Patienten nicht mit zu schweren oder zu einfachen Aufgaben zu frustrieren. Dazu müssen Maschinen eine hohe Flexibilität in der Programmierung vorweisen -  eine große Herausforderung für die Entwickler solcher Systeme. Die Autoren definieren somit in dem Bericht Fragen, die geklärt werden müssen um SARs so zu entwickeln, dass sie in der Rehabilitation und Pflege akzeptiert und hilfreich sein können. Die Forschenden werden nun die Möglichkeit haben, gemeinsam weiter an diesen Fragen zu arbeiten: Im Akademischen Jahr 2018/19 gestalten Philipp Kellmeyer und Oliver Müller gemeinsam mit der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Silja Vöneky und dem Informatiker Prof. Dr. Wolfram Burgard, beide von der Albert-Ludwigs-Universität, sowie Shelly Levy-Tzedeck einen Forschungsschwerpunkt zu normativen Aspekten der Interaktion zwischen Menschen und autonomen intelligenten Systemen am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS).

 

Link zur Pressemitteilung:
www.pr.uni-freiburg.de/pm/2018/roboter-als-rehabilitationshelfer

Link zur Publikation:

http://robotics.sciencemag.org/content/3/21/eaat1587

 

 

 

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